Jesustag, Jesusmarsch und Geistliche Kriegführung
Informationsangebot des Dialog
Zentrum Berlin http://www.dialogzentrum.de
Jesustag mit nur 25.000 Teilnehmern –
Rückgang der Teilnehmerzahlen deutlich
Der Jesusmarsch 2000 in Deutschland ist vorbei. An dem in diesem Jahr
„Jesustag“ genannten Ereignis in Berlin am 20. Mai 2000 nahmen ca. 25.000
Menschen teil. Die Veranstalter sprechen allerdings von 50.000 Teilnehmern.
(Beim vorigen Mal 1994 waren es in Berlin immerhin noch 30.000 Teilnehmer
gewesen; die Veranstalter behaupten jetzt, es seien damals sogar 75.000
gewesen. Dann wäre der Rückgang der Teilnehmerzahlen noch drastischer.)
Die überwiegend mit Bussen aus West- und Süddeutschland angereisten
Teilnehmer hatten nach einem Zug von der Siegessäule zum Brandenburger Tor den
alten Stadtkern in zwei Zügen nördlich und südlich umrundet, um sich dann zu
Kundgebungen und Marktständen zwischen Rotem Rathaus und Dom zu versammeln. Das Bild dort wurde bunt:
Zwischen Spargelständen und Wurstbuden gab es u.a. auch einen offiziell beim
„Jesustag“ registrierten Stand des Verlags der sektiererischen „Ortsgemeinde“
des Witness Lee, „Der Lebensstrom – Dienst im Lebensstrom“, Postfach 12 03007,
D 10593 ( http://www.lebensstrom.com )
Ebenso gab es an zentraler
Stelle beim „Jesustag-Straßenfest“ einen offiziell zugelassenen Stand der
Organisation der selbst in der römisch-kath. Kirche umstrittenen
Tennismeisterin, Neuoffenbarerin und „Kunstmalerin“ Vassula (Vassula Ryden) und ihres Verlages „Terra
Mystica“. Angegeben wurde am
Vassula-Infostand beim „Jesutag“ in Berlin als Internetadresse tlig.tierramet.com/gm.htm, richtig ist aber http://www.tlig.org/gm.html
In das Bild mischten sich „Schwestern“ des Missionswerks Alois Grass
und Vertreter des „24-Stunden-Wächtergebets – ein Netzwerk der Wächter in
Deutschland“ die nationale „Gebets-Alarmrufe“ ins Land schicken und „Eindrücke“
u.a. für das spiritual mapping, s.u. sammeln und austauschen, eine Aktivität
des Peter Wenz und seiner Biblischen Glaubensgemeinde Stuttgart. http://www.waechterruf.de
Die Veranstaltung und ihre Vorbereitung ( Kosten nach Eigenangaben 1,4
Millionen) wurde u.a. von der
Bruderhilfe/Familienfürsorge gesponsort. Dennoch wurde auch unter den
Teilnehmern eindringlich um Kollekten geworben.
Deutscher Jesustag / Internationaler
Jesusmarsch:
Laut
Selbstverständnis des internationalen Jesusmarsches (MfJ) werden alle
nationalen „Leiter“ vom internationalen Leitungsgremium ernannt. Zu diesem
Gremium gehören Gerald Coates, Pioneer Team; Roger Forster, Ichthus; Lynn
Green, YWAM (=Youth with a Mission);
Graham Kendrick. (Kendrick ist auch der Komponist vieler der beim
Jesusmarsch verwandten Lieder und Melodien.)
Zu den Aufgaben
dieses Gremiums gehört es,
Vgl. zu Einzelheiten
http://www.gmfj.org/board.html
Demgegenüber heißt
es auf der deutschen Website bei den Leitlinien unter „f) Die weltweite
Dimension“: „Der innere Bezug zur weltweiten "Marsch für Jesus"-Bewegung
ist uns wichtig. Damit ist aber nicht
eine Bevormundung oder Festlegung
gemeint, sondern, daß wir die internationalen Impulse und inhaltlichen
Anliegen ernst nehmen, bedenken, gegebenenfalls aufgreifen und in unsere Situation umsetzen.“
Zu den geistigen Hintergründen der Jesusmarsch-Bewegung dokumentieren
wir den folgenden Artikel aus dem BERLINER DIALOG 3/4 1999 (Epiphanias 2000)
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BERLINER DIALOG 18-19, 3/4-1999 - Epiphanias 2000 |
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Eines der beachtlichsten Phänomene in der
Szene neuer religiöser Bewegungen und Strömungen ist die "Charismatische
Bewegung" im christlichen Bereich. Während New-Age-Bewegung und Esoterik
auch in der religionssoziologischen Forschung eine gewisse Beachtung gefunden
haben, wird die "charismatische Bewegung" mit ihren Aktivitäten,
Zweigen und Strömungen oft als antiquiert oder gar als atavistisch
unterschätzt und daher selten wissenschaftlich untersucht. Wir stellen das Buch mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autor durch einen Auszug aus seinem 4. Kapitel, in dem Kern den Stellenwert der "Geistlichen Kriegführung" in Teilen der "Charismatischen Bewegung" untersucht, vor. - Red. |
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Geistliche
Kriegsführung Gerade in der charismatischen Bewegung
finden sich zahlreiche Elemente, die an den volkstümlichen Dämonenglauben
anknüpfen. Damit ist nicht nur der sogenannte "Befreiungsdienst"
als zeitgenössische Variante der Dämonenaustreibung gemeint, sondern auch die
"geistliche Kriegführung". |
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In der charismatischen Bewegung spielen geistlicher Kampf und geistliche Kriegführung (1) in recht unterschiedlichen Bereichen eine Rolle. Ihre wichtigsten Anwendungsgebiete liegen in "Befreiungsdienst" (Exorzismus) und "Evangelisation". Da der Befreiungsdienst [im hier vorgestellten Buch - Red.] im Rahmen der charismatischen Seelsorgepraxis bereits angesprochen wurde [Vgl. ausführlich dazu Kapitel 3.2 des Buches von Thomas Kern über "Kennzeichen der charismatischen Bewegung", spez. S. 78 ff. zur Seelsorge. Red.], soll jetzt die Beziehung zwischen geistlicher Kriegführung und Evangelisation näher beleuchtet werden. Geistliche Kriegführung und Evangelisation Dahinter steht die Vorstellung, daß Engel und Dämonen innerhalb dieser Gebiete miteinander kämpfen und daß die Christen durch ihr Handeln und Beten den Engeln und damit Gott selbst zum Sieg verhelfen können. (4) Kampfansagen gegen die Mächte der Finsternis |
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Dämonischen Hauptfürsten und die niedrigrangigeren dämonischen
Streitkräfte Das zweite Exempel stammt von John Dawson, einem bekannten und einflußreichen Leiter des internationalen Missionswerks "Jugend mit einer Mission" (JmeM). Er beschreibt darin seine Vorgehensweise, nachdem er bemerkt hatte, daß sich im "JmeM-Zentrum" von Los Angeles einzelne Dämonen eingeschlichen hatten: Geist der Verwirrung Diese beiden Beispiele zeigen, daß die Charismatiker sehr konkrete
Vorstellungen über die unsichtbare Wirklichkeit und ihre Wechselwirkung mit
der sichtbaren Welt haben. Diese Vorstellungen lassen sich wie folgt
zusammenfassen: Kriegerische Rasse In diesen Worten drückt sich ein sozialer
Anspruch aus. Die Charismatiker wollen die Gesellschaft beeinflussen; durch
Erweckung soll das 'wahre' (evangelikal-charismatische) Christentum zur
dominierenden kulturellen Kraft werden. Bis es soweit ist, regieren in der
Gesellschaft finstere Mächte, gegen die ein gezielter geistlicher 'Schlag'
geführt werden muß. Die Sprache, in der John Dawson dazu auffordert, klingt
militärisch: |
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Offensives Gebieten Während solcher Gebetszeiten kommen alle beschriebenen charismatischen
Elemente zur Anwendung: Glossolalie, Prophetie, Lobpreis etc. Was den Einsatz
der Gabe der Geisterunterscheidung betrifft, die für diesen Dienst als
unverzichtbar angesehen wird, zieht John Dawson einen Vergleich zur
Gabe der Prophetie (19) |
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Der Name des Dämons Geistliche Kriegführung in Hauskreis und Gemeinde Politische Dimensionen Viele Charismatiker sehnen sich nach vergangenen Zeiten zurück, in denen das Christentum noch eine dominierende gesellschaftliche Kraft war. Es ist eine für den Fundamentalismus typische Tendenz, die Vergangenheit als 'goldenes Zeitalter' zu verklären und vor diesem Hintergrund die Gegenwart zu kritisieren und zu verurteilen. (21) In dem betont militärischen Vokabular der geistlichen Kriegführung und dem hierarchisch-autoritären Denken der Charismatiker [vgl. Kapitel 5.2 seines Buches, in dem Kern über "Autoritäre (Bewußtseins-)Strukturen" handelt] offenbart sich eine dualistische Tendenz, die zumindest latent extremistische Züge trägt, was sich unter anderem in einer tiefsitzenden Angst und Abwehr gegen alles äußert, was fremd ist [vgl. Kapitel 5.1 über "Fundamentalistische Tendenzen"- Red.]. Wie weit das gehen kann, zeigt der folgende Bericht aus dem Rundbrief der charismatischen Initiative "Fürbitte für Deutschland" (FFD), die von allen wesentlichen Leitern der neopfingstlerischen Bewegung und zum Teil auch von fahrenden volkskirchlichen Charismatikern unterstützt wird. Darin wird von einem vermeintlich durch geistliche Kriegführung verhinderten Bau eines islamischen Gotteshauses berichtet: "Aachen: Gebet bezüglich Errichtung eines islamischen Zentrums
erfolgreich. Es scheint so, als ob die Charismatiker versuchten, auf derartige Weise ihr politisches Ohnmächtigkeitsgefühl zu kompensieren. Langfristig können solche Praktiken zu einem gefährlichen Herd für sozioreligiöse Konflikte werden. Womöglich wird die Gesellschaft dann jene 'Geister', die durch die Charismatiker herbeigerufen wurden, nicht mehr los. |
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Fürbitte für Deutschland |
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Jesus-Märsche |
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Der äußeren Form nach ist eine gewisse Nähe zu den traditionellen
(katholischen) Prozessionen nicht zu übersehen. Neben der geistlichen
Kriegführung, das heißt der geistlichen und symbolischen 'Einnahme' (23) des
'feindlichen' Terrains, versucht die charismatische Bewegung, auf diese Weise
in der Öffentlichkeit positiv auf sich aufmerksam zu machen. Kampfspiritualität als christlich verbrämter Gegen-Okkultismus Nach Ansicht von K. H. Eimuth und L. Lemhöfer handelt es sich bei der
geistlichen Kriegführung um eine Art 'christlich verbrämten
Gegen-Okkultismus'.(29) Das heißt, die Charismatiker versuchen, mit Hilfe von
unsichtbaren und übernatürlichen Kräften die Ereignisse in der sichtbaren
Wirklichkeit zu beeinflussen. Diese Form der Einflußnahme auf
gesellschaftliche Prozesse dürfte gerade heute auf viele eine große
Anziehungskraft ausüben. In der individualisierten Gesellschaft kann sich der
einzelne angesichts der Zusammenballung von großen, komplexen und
undurchschaubaren Institutionen gegenüber politischen und sozialen
Entwicklungen schnell ohnmächtig, hilflos und ausgeliefert fühlen. Mit der
Geistlichen Kriegführung bekommt er einen vermeintlichen Einfluß auf
Vorgänge, die ihm in unerreichbare Ferne gerückt schienen. Er scheint das
Weltgeschehen plötzlich wieder ganz im Griff zu haben und erlebt sich nicht
nur als Lenker seines eigenen, sondern auch des Schicksals der gesamten
Menschheit. Das bisher unscheinbare 'Rädchen' bekommt plötzlich eine
'kosmische' Bedeutung und findet zu einem neuen Selbstbewußtsein. Kopfermann erwähnt nun einige Fälle für die Anwendung der
geistlichen Kriegführung. Darunter ist einer, der wiederum die Initiative
"Fürbitte für Deutschland" betrifft: |
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Kritikvermeidung durch Kampf nach außen Dr. rer. soc. Thomas Kern, 31, studierte Soziologie in Frankfurt/Main und Bamberg. Er arbeitete im Referat für Weltanschauungsfragen des Bistums Limburg und ist jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bamberg im Fachbereich Religionssoziologie. (Abdruck des Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.) Anmerkungen |
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Ende Seite 34-38 |
Zur Recherche an den
Quellen geben wir hier die Web-Adressen der Veranstalter.
Der „Global March for
Jesus“ hat eine englische Website unter http://www.gmfj.org/
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Der deutsche „Marsch
für Jesus“ organisiert den „Jesustag“ am 20.5. und findet sich unter http://www.mfj.de/
Dies ist ein Informationsangebot zu Ihrer persönlichen Meinungsbildung
aus der Redaktion des
BERLINER Dialog
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Der BERLINER DIALOG wird herausgegeben von
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